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Richard Leupold: Familienausflug auf den Muztagh Ata

veröffentlicht um 14.10.2013, 23:43 von Toralf Richter

Richard Leupold, Mitglied im Nordic-Racing GanzWeitVorn-Team berichtet im Vereinsheft des Skiklubs Dresden-Niedersedlitz über seinen Ausflug in den Sommerferien:

Wer nicht gleich weiß, was sich hinter dem fremden Namen verbirgt, dem sei gesagt: Muztagh Ata bedeutet auf uigurisch „Vater der Eisberge“, dieser Gipfel ist 7.546 m hoch und liegt im Dreiländereck Pakistan – Tadschikistan - China. Der Anlass der Reise war der 50. Geburtstag von Bernd, zu dem sechs „ältere“ Leute und ich geladen waren, um mal wieder einen hohen Berg zu besteigen, und zwar per Tourenski. Nach langem Ausrüsten und Packen starteten wir am 12.Juli mit 30 kg Reise- und 8 kg Handgepäck sowie zwei Tonnen in unbekanntes Gebiet. Über Astana (Kasachstan) und Urümqi gelangten wir per Flugzeug nach Kashgar, einem kleinen chinesischen Städtchen mit 4 Mio. Einwohnern mitten in der Wüste. In dieser Oasenstadt an der Seidenstraße gab es erstaunlicherweise eine Unmasse an Elektroautos und -rollern, aber kein einziges Fahrrad. Sechs Stunden abenteuerliche Busfahrt, und wir erreichten den Fuß des ersehnten Berges, von wo man auch gleich den besten Blick auf ihn hatte. Nach zwei Nächten in Jurten bewegten wir uns mit Koch, Guide und Kamelen langsam ins Basislager auf 4.400 m Höhe, wo wir uns häuslich einrichteten (jeder hatte hier ein eigenes Zelt) und lecker bekocht wurden.

Und nun ging alles schneller als gedacht, denn ein traumhaftes Wetterfenster ermöglichte uns das Errichten von drei Höhenlagern in nur 12 Tagen und den Gipfelsieg. Der Gipfeltag war natürlich sehr hart, denn unsere Family wollte das Hochlager 3 in 6.900 m Höhe überspringen, da das Schlafen bereits in 6300 m unangenehm genug war. Daher mussten wir im Dunkeln bei ziemlicher Kälte starten und erreichten im Rhythmus 1 Schritt – 3 Atemzüge mit unendlich vielen Pausen über ein ewig ansteigendes Plateau 16.00 Uhr den Gipfel. Ein riesiges Glücksgefühl ! Aber wer glaubt, jetzt kam eine herrliche Skiabfahrt, der sollte wissen, dass man in dieser Höhe nach drei Schwüngen und mit ordentlichem Gepäck erschöpft anhalten muss, nach Luft schnappt und nicht unkonzentriert sein darf, denn es gibt ja auch noch Gletscherspalten...

Nun, einige Wochen später, bin ich gespannt, wie sich dieses ganz besondere Erlebnis und der lange Aufenthalt in der Höhe auf die Wintersaison auswirken werden, ich freue mich schon auf den ersten Schnee und meine leichten Langlaufskier.

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